Biologiepraktikum, Kurs B
Holger Diegel, Platz 18
30.01.1997
Thema des Praktikums war die Befruchtung sowie die Keimesentwicklung bis zum Stadium der Gastrula.
Die Befruchtung eines Seeigeleis konnte aus Kostengründen
nicht durchgeführt werden und mußte theoretisch besprochen
werden. Mikroskopisch untersucht wurden lediglich frisch
befruchtete Amphibieneier und Dauerpräparate von verschiedenen
Stadien aus der Keimesentwicklung von Seeigeln.
Der Begriff "Befruchtung" beschreibt die Vorgänge bei der Verschmelzung der Gameten.
Die Spermien werden von den Seeigeleiern chemisch angelockt (Spermotaxis).
Das erste Spermium, das die Eizelle berührt, befruchtet es auch.
Dabei muß das Spermium zunächst die Gallerthülle durchdringen.
Dazu heftet es sich mit seinem Akrosom an die Gallerthülle, und
schüttet die Enzyme des akrosomalen Vesikels aus (Exocytose),
die die Hülle lokal verflüssigen. Gleichzeitig bildet das
Akrosom eine fadenförmige Verbindung aus globulärem Actin mit
der Eirinde aus, die dem Spermium schließlich das Eindringen (Verschmelzen
der Zellmembranen) bis zum Mittelteil ermöglicht. Das Schwanzstück
wird abgeworfen.
Zur Verhinderung von Polyspermie, die zu Entwicklungsfehlern führen
würde, wird von der Eizelle sofort beim Eindringen des ersten
Spermiums ein für weitere Spermien undurchdringbarer Block
ausgebildet.
In weniger als fünf Sekunden wird die Plasmamembran
depolarisiert (von -70mV auf 30mV) und bildet so einen raschen
Block gegen Polyspermie aus. Die Depolarisation geht zwar
innerhalb einer Minute wieder zurück, induziert aber eine second-messenger-Reaktion,
durch die schließlich das intrazellulär gespeicherte Kalzium
freigesetzt wird. Dies wiederum löst die Corticalreaktion, einen
dauerhaftem Block gegen Polyspermie, aus:
An der Innenseite der Zellmembran befinden sich Corticalgranulae,
die durch die erhöhte Ca2+ Konzentration zur Exocytose gebracht
werden. An der Außenseite vernetzen sich die Proteine
untereinander zu einem für Spermien unduchdringbaren Netzwerk.
Erkennbar ist dieser Vorgang an der Abhebung der
Befruchtungsmembran, die entsprechend der Ca2+-Ausschüttung in
einer Art Welle über die Zelloberfläche verläuft. In weniger
als einer Minute ist die Befruchtungsmembran fertig ausgebildet.
Nach dem Eindringen des Spermiums wird aus den Mikrotubuli des Mittelteils ein Centriol gebildet und dieser repliziert; die Mitochondrien des Spermas verkümmern. Nach acht Minuten läuft die Proteinbiosynthese der Eizelle an, die zuvor stark eingeschränkt war.
Der Spermakern bewegt sich auf den Eikern zu und nach ca. 30 Minuten kommt es zur Fusion der Vorkerne, der Kariogamie. Nach weiteren 30 Minuten beginnt die Replikation der DNA (S-Phase), die Zentriolen wandern zu den Polen der Zelle, und die erste Mitose der Zygote kann erfolgen.
Die beschriebene Befruchtung eines Seeigeleis ist, obwohl sie
außerhalb des Körpers erfolgt, auch der Befruchtung einer
menschlichen Eizelle sehr ähnlich. Menschliche Eizellen besitzen
jedoch keine Gallertschicht, sondern sind von einer Corona
radiata (eine Zellschicht) und einer Zona pellucida umgeben, die
aber auch durch eine Akrosomenreaktion gelöst werden.
Menschliche Spermien setzen außerdem bei der Befruchtung keinen
Actinfaden mehr frei.
Ein weiterer Unterschied ist das Meiosestadium, in dem sich die
Eizelle während der Befruchtung befindet. Beim Menschen ist dies
die Metaphase II, der dritte Polkörper wird also erst nach
Eindringen des Spermiums ausgebildet.
Die ersten Zellteilungen einer Zygote nennt man Furchungen.
Der Keim gewinnt dabei nicht an Größe, lediglich die Anzahl der
Zellen wird erhöht (1,2,4,8,16,...).
Die Furchungsteilungen verlaufen bei verschiedenen Lebewesen
unterschiedlich, abhängig vom Dotterreichtum der Eizelle.
Bei Eizellen mit geringem Dottergehalt, wie etwa beim Seeigel,
verlaufen die Furchungsteilungen total und äqual, es bilden sich
also jeweils gleich große und völlig voneinander getrennte
Zellen.
Eizellen von Amphibien sind recht dotterreich, der Dotter ist
jedoch ungleichmäßig in der Zelle verteilt, die höchste
Konzentration besteht im vegetativen Teil der Zelle. Die ersten
beiden Zellteilungen verlaufen entlang des Meridians (Achse
zwischen animalem und vegetativem Pol), es entstehen vier gleiche
Zellen. Die nächste Teilung erfolgt äquatorial und läßt zwei
Zellkränze entstehen. Am animalen Teil sind die Zellen kleiner (Mikromeren),
am vegetativen, also dotterreichen Teil sind die Zellen größer
(Mokromeren). Es ist zu einer totalen, aber inäqualen Teilung
gekommen.
Bei den Reptilien und Vögeln, die ihre Entwicklung auf dem Land
durchlaufen, sind die Eier groß und mit reichlich Nährmaterial
(Dotter) versehen. Das Ei furcht nur auf einer eng umgrenzten
Stelle der Dotterkugel (partiell diskoidale Furchung).
Die Furchungsteilungen beim Menschen bezeichnet man als sekundär
total äqual, da die Eizellen zwar dotterarm sind, aber die
Entwicklung nach den Furchungen sehr stark den Vögeln ähnelt.
Xenopus laevis - Furchungsstadien
Im Praktikum sollten Furchungsteilungen anhand von befruchteten Froscheiern mit der Stereolupe beobachtet werden. Von sechs Eiern waren drei unbefruchtet, eines befand sich im 8-Zellen-Stadium und zwei im 32-Zellen-Stadium. Bei den unbefruchteten Eiern waren die Pole nicht zu erkennen, die Pigmentierung erschien überall gleich stark. Es war auch nicht nachvollziehbar, daß es sich um eine inäquale Teilung handelte.
Nach wenigen Minuten veränderte sich die Struktur in den
befruchteten Zellen. Im Zentrum der einzelnen Zellen waren dunkle
Schatten erkennbar, es kam aber zu keiner weiteren Furchung.
Statt dessen schienen sich die schon entstandenen Zellen aufzulösen
und miteinander zu verschmelzen. Vermutlich hatten die Keime
durch das kühle Lagern einen Schaden genommen.
Die Furchungsteilungen führen zur Bildung eines kugeligen Zellhaufens, der Morula. Dieser formt sich zu einer Hohlkugel um, deren Wand zunächst aus einer Zellschicht besteht. Diese Form wird als Blastula bezeichnet. Der Hohlraum der Kugel heißt Blastocoel, die Wand ist das Blastoderm. Häufig besitzt eine Blastula Cilien, durch die sie rotieren kann. In diesem Stadium beginnt das Wachstum des Keimes.
Im Praktikum war bei der mikroskopischen Untersuchung von
Seeigelkeimen (Dauerpräparate) neben Furchungsstadien auch
deutlich eine frühe Blastula zu erkennen, allerdings waren keine
Cilien sichtbar.
An einer Stelle der kugeligen Blastula kommt es schließlich
zu einer Einwölbung (Invagination), die zuerst als Urmundlippe
und schließlich als Urmund sichtbar wird. Bei höher
entwickelten Lebewesen wie den Vertebraten macht der Urmund den
caudalen Teil des Tieres aus und bildet schließlich den After.
Der Vorgang der Urmundbildung wird durch die Zellen im animalen
Teil des Keimes ausgelöst, die sich sehr schnell teilen und
damit die Zellen des vegetativen Teil in das Innere der Kugel drängen.
Der Urmund hat bei der weiteren Entwicklung eine
Organisatorfunktion, anhand seiner Lage werden die Körperachsen
des Embryos festgelegt.
Durch die Gastrulation bilden sich Ektoderm (Außenschicht) und
Entoderm aus. Auf dem Dach des entodermalen Urdarms bilden sich
schließlich Zellen des dritten Keimblattes, des Mesoderms, aus.
Sie gehen aus Zellen der Randzone zwischen der animalen und
vegetativen Zone hervor.
Die Gastrulation kann abhängig von der Art der Furchungsteilungen unterschiedlich verlaufen, das Prinzip ist jedoch gleich, und am Ende steht immer die Ausbildung der drei Keimblätter, die sich in der weiteren Entwicklung zu verschiedenen Organen differenzieren.
Ein weiteres Thema des Praktikums war die Entwicklung des Blutkreislaufs und des Herzens .
Am Beispiel einer lebenden Kaulquappe des Ochsenfrosches Xenopus laevis wurde unter dem Mikroskop ein recht einfaches Herz untersucht. Amphibienlarven atmen über Kiemen, die ausgewachsenen Tiere nicht mehr. Die Tiere waren annähernd durchsichtig, so daß man das schlagende Herz und die Strömungsrichtung des Blutes gut beobachten konnte, wenn sich die Tiere in Rückenlage befanden.
Das Herz erschien schlauchförmig, war jedoch gebogen und man konnte Atrium und Ventrikel unterscheiden, die nacheinander kontrahierten. Die sechs Kiemenbögen waren bei der Vielzahl der sichtbaren Adern nicht klar zu erkennen.
In der frühen menschlichen Embryonalentwicklung gibt es eine
Phase, in der das Herz und das Blutkreislaufsystem in ihrer
Organisation sehr stark dem Larvenstadium der Amphibien gleichen.
Deutlich wird dies vor allem an den Kiemenbogenarterien, die sich
im weiteren Verlauf zu großen Gefäßen entwickeln, und der
Einfaltung des Herzschlauchs.
Die komplizierte Ausbildung des menschlichen Herzens und des Gefäßsystems
während der Embryonalentwicklung spiegelt die Phylogenese des
Menschen wieder. Nicht nur das primitive schlauchförmige Herz,
sondern auch verschiedene weitere durchlaufene Stadien lassen
sich bei anderen Lebewesen wiederfinden. Ausgewachsene Amphibien
bilden z.B. ein Vorhofseptum aus, bei Vögeln zieht das Septum
auch durch die Ventrikel, und beim Menschen trennt es schließlich
die beiden Kammern völlig voneinander.